Es ist mein schönstes „Hobby“: gelungene Kommunikation zu beobachten. Egal in welcher Branche, egal in welchem Kontext.
So geschehen auf einem Kurztrip nach Sylt. Diese Insel ist seit Jahren ein Sehnsuchtsort für mich – und ich habe erstmals unter der Chemotherapie erlebt, wie heilsam dieser Ort sein kann. Mittlerweile ist es für mein Umfeld völlig normal, dass ich alles für mich Bemerkenswerte sofort notiere. Mal ins Notizbuch, mal ins Handy. Was ich diesmal am Meer erlebt habe, ist für mich das schönste Urlaubssouvenir überhaupt.
Sylt hat eine beeindruckende Gastronomie-Vielfalt – für jeden Geschmack, jedes Budget und jeden Typ. Und wer sich das Angebot anschaut, fragt sich unweigerlich: Was war zuerst da – die Gäste, die alles möglich machen, oder Gastronomen, die es verstehen, wirklich gut zu kommunizieren? Meine Antwort: Das eine bedingt das andere.
Unser Lieblingsort ist die Strandbude „Samoa-Seepferdchen“ (keine Werbung, nur persönliche Erfahrung). Das Team ist seit Jahren, teils seit Jahrzehnten dasselbe. Das gibt mir als Gast ein Gefühl von Verlässlichkeit und Vertrauen. Die Qualität stimmt – aber das allein ist es nicht. Denn hinter alldem steckt eine Haltung. Und Haltung zeigt sich in Kommunikation.
Wie sprechen wir miteinander? Wie mit unseren Gästen? Was ist unser Selbstverständnis – und was nicht?
Wir waren zu Pfingsten dort. Eine Zeit, die auf Sylt durchaus für ein bestimmtes Publikum bekannt ist. Nicht mein Geschmack. Daher meide ich diese Locations großräumig.
Beim Gespräch mit dem Team wurde schnell klar: Dass dort keine „Pfingst-Party“ stattfindet, ist kein Zufall, sondern Konzept. Das bedeutet nicht, dass andere Konzepte schlechter sind – nur anders.
Worauf ich eigentlich hinauswill: Ich habe sehr genau zugehört, wie das Team mit den Gästen gesprochen hat. Hier der Originalton – und ich glaube, wir können alle etwas daraus mitnehmen:
„Was kann ich Euch denn heute Gutes tun?“
„Ihr sucht bestimmt noch einen Platz für fünf, richtig? Drei hätte ich jetzt frei – wenn die Kinder noch spielen wollen, nehmt schon mal hier Platz und versorgt Euch am Kiosk.“
„Geht gleich schon weiter.“ – gesagt, bevor jemand fragen musste, wo die Beilagen bleiben.
„Hier, nimm noch die andere Sorte zum Probieren – für morgen!“ – an einer Eisdiele mit ausgefallenen Kreationen.
Was mich daran so begeistert, ist das Menschenbild dahinter. Und die innere Überzeugung: Natürlich kommst du morgen wieder. Ich weiß ja, wie gut unser Eis ist.
Ein Konzept, das von vorne bis hinten auf Lösungen ausgerichtet ist – nicht perfekt, aber von einer klaren Haltung geprägt. Davon können wir uns alle eine Scheibe abschneiden.



