Ich hatte diesen Sommer das wirklich außerordentliche Vergnügen, viel reisen zu können.
Zwar stets nie länger als eine Woche, was jetzt aus Erholungsgründen vielleicht nicht optimal war, dafür aber um jede Menge Inspiration einzusammeln.
Und alleine dieser Abschnitt ist Grund für jede Menge Dankbarkeit.
Denn gesund reisen können, ohne Pandemie, Krieg und Naturkatastrophen – ist wohl der größte Luxus im 21. Jahrhundert.
Warum ich dennoch mit ein bisschen Wehmut im Gepäck wieder zurückkomme, versuche ich vorab auf den Punkt zu bringen:
Wir können nicht mehr mithalten.
Und mit „Wir“ meine ich uns als deutsche Nation, als Land, als meine (unsere) Heimat.
Meine Wege führten mich im Sommer nach Österreich, Italien, Südfrankreich, Südtirol und New York.
Und natürlich komme ich als Touristin, natürlich habe ich nicht in diesen Ländern gelebt, gearbeitet, oder war dort gar krank und benötigte Hilfe. Daher ist mein Blick eher eine Momentaufnahme. Und vor allem ist es ein Gefühl.
Aber dieses Gefühl sprach sehr deutlich: Hier ist die Stimmung eine andere.
Freundliche Menschen, aufrechter Gang, Lebensfreude und belebte Innenstädte.
Und hier rede ich jetzt nicht nur von der 5th Avenue in New York, hier rede ich von kleinen Dörfern in Italien und Frankreich.
Und während wir hier über eine Servicepauschale im Einzelhandel diskutieren, erlebte ich dort einen Handel, der an mir als Kundin Spaß hatte.
Von ganz großen Ketten – in denen ich bei uns gar keinen Service mehr sehe – bis hin zu den ganz kleinen, versteckten Fachläden.
Ich sah in New York beschäftigte Menschen, die trotzdem nicht erschöpft wirkten, und ich sah in Italien einen Umgang mit der Hitze, der so alt wie wirksam ist: eine lange Mittagspause.
Über die wir zuhause zumindest ab und an die Nase gerümpft haben. Früher.
„Die Italiener (oder Spanier) mit ihrer Pause. So was gäbe es ja bei uns nicht“, so mein fleißiger, pflichtbewusster Opa. Das war mit seinem Grundwesen nicht vereinbar.
Wir – als Deutsche – setzen da mit Fleiß, Gründlich-Pünktlich- und Zuverlässigkeit gegen. Das waren wir.
Aber sind wir das heute noch?
Was sind unsere Werte?
Was ist unser Spirit?
Wie verlässt ein Tourist nach einem Deutschland-Urlaub das Land?
Ich lebe in der Eifel in einer Touristenregion, die landschaftlich wirklich atemberaubend ist.
Aber belebte Innenstädte oder eine tolle Gastronomie? Fehlanzeige.
Alle Ideen, die ich dem Bürgermeister vorgelegt habe, wurden mit „Das geht nicht. Das haben wir noch nie so / oder immer so gemacht“ abgelehnt.
„Mama, hier erscheint irgendwie alles möglich“, sagt mein 18-jähriger Sohn in New York zu mir. Und es stimmt. Hier, aber auch in den anderen Ländern, die ich diesen Sommer besucht habe.
Ich versuche, die Traurigkeit in einen Tatendrang zu verwandeln und weiterhin die Hebel zu benutzen, die ich habe, um unser Land bitte, bitte auch wieder so lebenswert, optimistisch und fröhlich zu machen!
Wer macht mit?



