Was braucht es für einen Bestseller?

8. Oktober 2026

„Nicole, kannst du mir einen Tipp geben, wie ich einen Verlag finde?“
„Mich hat eine Agentur kontaktiert, die mir versprochen hat, einen Bestseller zu produzieren…“
„Kannst du mir vielleicht Tipps geben, wie ich mein Buch bekannter mache?“
„Wie schaffe ich es auf die SPIEGEL-Bestsellerliste?“

Alle Fragen, die ich seit vielen Jahren von unterschiedlichen Menschen gestellt bekomme. Insbesondere über LinkedIn. Menschen schreiben mir einen gewissen Erfahrungswert zu, weil ich selbst 10-fache SPIEGEL-Bestsellerautorin bin. Und daher möchte ich Euch hier ein paar meiner Gedanken mitgeben.

1. Falsche Frage

Ich weiß nicht, wie man einen Bestseller schreibt. Ich weiß nur, wie man ein Buch schreibt. Und strenggenommen weiß ich nicht mal das. Ja, ich habe 10 verfasst, aber was ich zum Beispiel noch nie geschrieben habe, ist ein Exposé. Oder einen Plot. Oder irgendetwas, was einem „Plan“ nahekäme. Ich würde auch schreiben, wenn ich nicht veröffentlichen würde. Daher wäre mein erster Tipp: Bitte schreibt nur dann, wenn ihr es „fühlt“ und nicht, weil ihr einen Bestseller haben wollt.

2. Was will ich? (Oder besser DU)

Denn das wäre meine Nachfolge-Frage. Wofür glaubt ihr denn, einen Bestseller zu brauchen? Was willst du mit oder von diesem Buch? Welche Türen glaubt ihr, gehen dann auf, die bisher verschlossen blieben?

Falls ihr an monetäre Türen glaubt, so muss ich Euch diese Illusion leider nehmen. Es dürfte sich rumgesprochen haben, dass Bücher schreiben nicht „reich“ macht. Zumindest nicht an Geld. An Erfüllung schon. Damit wären wir automatisch bei Punkt Nr. 1.

Kläre bitte Dein „Was will ich?“, damit du nicht so enttäuschungsanfällig bist. Mein persönliches ist: Das Thema will aus mir raus. Ich muss schreiben. So, wie ich atmen muss. Ich schreibe nicht für eine Zielgruppe, sondern für mich.

3. Zielgruppe

Ich bekomme mit, dass sich potenzielle Autoren und Autorinnen die Frage stellen: Wer ist die Zielgruppe? Geschweige denn Verlage, für die die Frage natürlich entscheidend ist.

Der Verlag hat aus meiner Sicht aber auch ein anderes „Was will ich?“ als ich als Autorin. Natürlich habe ich meine Leserschaft im Blick, aber nicht meine Zielgruppe. Das ist für mich ein großer Unterschied, denn eine Leserschaft klärt die Ansprache, eine Zielgruppe definiert das spätere Marketing.

Wenn ich als Autorin für eine Zielgruppe und nicht für mich intrinsisch schreiben würde, ist das aus meiner Sicht opportunistisch. Ich würde dann schreiben, um gekauft zu werden. Ich will aber schreiben, weil ich Erfüllung darin finde.

Daher mein alter und nochmal neuer Tipp: Schreibt, weil ihr es fühlt und nicht, weil ihr gekauft werden wollt.

4. Und dann?

In Deutschland erscheinen ca. 90.000 Bücher im Jahr. Ja, lest die Zahl nochmal. Das ist eine ganze Menge. Von denen landen ungefähr 0,15–0,2 % auf der berühmten SPIEGEL-BESTSELLERLISTE. Agenturen, die euch für viel Geld versprechen, hier eine Platzierung zu erreichen – das muss ich leider so deutlich sagen: die arbeiten unlauter.

Und nochmal: Warum wollt ihr hier stehen?

Eine Platzierung auf dieser Liste sagt nichts über den literarischen Wert eines Buches aus. Auch nicht über Euch als Mensch, als Autor/Autorin, nichts über euren Kontostand oder eure Glaubwürdigkeit. Eine Platzierung auf dieser Liste sagt nur etwas über die verkauften Exemplare pro Woche und ein einigermaßen gut kalkuliertes Marketing. Etliche Bücher verschwinden nach einer Woche auch wieder.

Den Agenturen, die Euch diese Angebote machen, ist das egal – deren Ziel ist erreicht und ihr bleibt zigtausende Euro ärmer und desillusioniert zurück. Tut Euch das nicht an!

Hier kommen meine Tipps für Euch:

Fühlt rein, ob ihr ein Thema habt, was ihr gerne loswerden würdet.

Schreibt drauf los – für die eigene innere Erfüllung

Wenn du dann spürst „ja, das könnte einen Mehrwert für andere sein“, schau in Dein Netzwerk, wer dir ein ehrliches (!!) Feedback gibt

Kläre Dein „Was will ich?“ mit der Veröffentlichung. Beispiel: Wenn Du Coach bist und Du Deinen Coachees gute Methoden an die Hand geben willst, könnte Self-Publishing eine tolle Alternative sein.

Wenn du einen „richtigen“ Verlag willst, checke, für wen Dein Thema interessant sein könnte. Suche dir die richtigen Ansprechpartner raus und fasse kurz zusammen, warum Dein Buch das richtige ist. (ACHTUNG: Verlage legen mittlerweile großen Wert auf die mitgebrachte Reichweite)

Wenn es zu einem Vertrag kommt, suche Dir unbedingt jemanden, der Dich in der PR begleitet. Meist haben die Verlage so viele Titel, dass sie keinen Fokus auf Dich speziell legen werden.

Freue Dich maßlos über jeden Schritt!! Freue Dich über jede Seite, die du geschrieben hast, und lege Deinen Fokus auf das Schreiben als solches! Sei stolz auf Dich und habe bitte sonst wenig bis keine Erwartungen, die im Außen liegen!

Vertraue auf keinen Fall einer Agentur, die Dich zur Bestsellerautorin machen will!

DANKE!

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